„Earth Rocker“ Clutch durchackern dreckigen Rock’n’Roll

Oft genug fragt man sich, warum so manch einer Band trotz ziemlich guter Musik und dem guten Gefühl für guten Rock nicht der Weg an die Spitze, mitten hinein in die große Bekanntheit gelingen will. So wie zum Beispiel bei Clutch: das Quartett aus dem US-amerikanischen Maryland ist bereits seit über zwei Dekaden in Sachen Rockmusik unterwegs. Ziemlich rege obendrein, denn seit 1993 haben Clutch neun Studioalben veröffentlicht. Und bringen mit „Earth Rocker“ am 15. März bereits Scheibe Nummer zehn an den Start. Jedes zweite Jahr ein Album, ordentliche Leistung! Vielleicht gelingt dann ja mit „Earth Rocker“ der große Wurf, der Sprung in die vorderen medialen Plätze der Rockbands – denn „Earth Rocker“ ist eine sehr gute Platte, mit welcher der Status der lediglich von Musikjournalisten gelobhudelten Undergroundgröße hinter sich gelassen werden könnte.

Schaurig-böse-ironisch

Mit dem Opener und gleichzeitig Titelsong der Scheibe legen Clutch gleich mal so richtig erdig-kernig los, in bester Stonerrock-Manier, ohne aber den ursprünglichen Blues und Rock’n’Roll aus den Augen zu lassen. Famos das schaurig-böse-ironische Gelächter von Sänger Neil Fallon, das den ein oder anderen womöglich an Rob Zombie erinnern mag. Apropos erinnern: wer bei den ersten Takten einen Vergleich zu einem ziemlich bekannten Lied sucht, wird bei den Doors fündig: Diese verwenden im Intro von „L.A. Woman“ verdammt ähnliche Arbeit mit Drumsticks und Becken sowie Bass. Dies ist allerdings 42 Jahre her.

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Richtig treibenden Groove verbereiten die vier Kumpels auf „Mr. Freedom“, die Gitarre Tim Sults treibt mächtig voran, hat aber noch Zeit für ein Solo. Mit Mundharmonika huldigen Clutch in „D.C. Sound Attack“ dem Blues, klingen heute in etwa so, wie ZZ Top zu ihren Bluesboogierockglanzzeiten Mitte der 70er klangen: sehr gut. Mit „Gone Cold“ durchbrechen die Arbeitstiere – so kommen sie zumindest auf den Bandphotos rüber – den permanenten Rock-Dauerbetrieb, laden den Hörer zur Langsamkeit ein, es sich am Lagerfeuer gemütlich zu machen und mit einem Blechbecher Kaffe in den Flammen zu stochern. Der selige Johnny Cash hätte daran sicherlich seine Freude gehabt. Deutlich mehr Gas gibt „Book, saddle & go“, ein echt krachiger, großer Rocker.

Ein Album mit Eiern

„Earth Rocker ist ein straightes Rock’n’Roll Album“, so heißt es in der Presseinfo zur Scheibe. Und „Cyborg Bette“ ist genau der passende Song, dies zu untermauern, allerdings auf die härtere Tour. Für den Schluss haben sich Clutch beiden längsten Stücke aufgehoben: In die raue, psychedelische Ecke driftet „Oh, Isabella“, da hat Sult auch schon mal Lust und Zeit, sich in einem langen Solo zu ergehen. Ziemlich dreckig wird’s auf „The Wolf Man kindly requests“, irgendwie grungig – fertig und aus! „Das Album ist total auf den Punkt und darüber freue ich mich sehr. Und es hat wirklich Eier“, beschreibt Fallon das Werk. Und trifft damit genau den Kern der Sache, denn „Eier“ hat „Earth Rocker“ – so richtig dicke!

Das Album „Earth Rocker“ ist erschienen auf dem bandeigenen Label Weathermaker Music und wird in Deutschland von  Soulfood vertrieben. Die Platte mit elf Songs hat eine Laufzeit  von 44:22 Minuten.

Anspieltipps: Earth Rocker, Mr. Freedom, The Face, Oh, Isabella

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