Huberbua und Plastic Surgery Disaster hängen in der Wand

Für ganz viele Bergsportler ist Thomas Huber zusammen mit seinem Bruder Alexander eine Ikone in Sachen Extremklettern, Freeclimbing: Das als Huberbuam bekannte Brüderpaar gilt als Institution am Seil oder auch ganz ohne solches in jedweder Art von Granitwand. Jetzt schickt sich Thomas an, auch den Gipfel der Musik zu erklimmen: Mit seiner Band Plastic Surgery Disaster veröffentlichte er das Album „Endless“. Allerdings erweist sich der Aufstieg in der „steinernen Wand des Rock“ als ziemlich schwer, der Huberbua und seine Truppe hängen immer mal wieder etwas in den Seilen.

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Musikalisch hauen Huber und seine Kumpels Manfred Rödel und Peter Schweiger an den Gitarren, Andreas Brandner am Bass und Wolfgang Seiberl hinterm Schlagzeug ordentlich in die Vollen. Spielen sich quer durch die eher kleine aber feine Welt des Stoner- und Desert Rock. Woher die Orientierung in dieses Rockgenre? Ganz einfach: „Ich liebe Stoner Rock, diesen bluesigen, schweren Wahnsinn!“, schwärmt Huber. Ja, das stellt man sofort fest, denn wer bei „Endless“ nicht den Kyuss-Einfluss heraushört, schläft wohl. Allerdings widmen sich Plastic Surgery Disaster weniger der behäbig, langsam aber gewaltig daherkommenden Wanderüne, als welche Desert Rock ganz oft daherkommt, sondern dem druckvollen, tiefgestimmten Uptempo-Wüstensturm.

Überraschung weicht dem Alltäglichen

Songs wie „No“ oder „Black Road“ greifen die tempobehafteten Elemente von Kyuss‘ „Green Machine“ oder gar Foo Fighters‘ „White Limo“ auf. Und diese durchaus flottere Songgestaltung zieht sich vom Beginn bis hin zum Ende der Scheibe. Damit machen Band und Hörer zwar wenig falsch – wenn’s abgeht, sich sogar das ein oder andere Solo in den wummernden Sound verirrt, gefällt’s – aber nach mehreren Durchläufen im CD-Spieler ist die Überraschung weg und das Alltägliche des Songmaterials macht sich breit. Bluesige Intros wie in „Sunny Day“ oder Tempoverschleppung wie in „Fear“ oder „Endless“ sind da leider etwas wenig. Bei einer Entstehungsdauer von sechs Jahren  – bis zur Veröffentlichung brauchte es von 2007 bis 2013 – hätte sich wirklich mehr Abwechslung einschleichen können.

Während Huber in Sachen Klettern zwar allen zeigt, wo der Hammer hängt, offenbart der Gesang, dass seine Stimme noch Luft nach oben hat. Oft sagt man sich: gut, dass es die Technik gibt. Mit „Endless“ haben sich Plastic Surgery Disaster zwar schon mal sicher im Basislager eingerichtet, um aber am Gipfelkreuz kratzen zu können, hat die Seilschaft noch eine lange, steile und schwierige Wand vor sich, in der sie momentan festhängt. Die neun Songs des Albums haben eine Laufzeit von 32:46 Minuten, sind erschienen auf Def Sheperd Recordings und im Vetrieb von Indigo. (Bandfoto: Carsten Bunnemann)

Anspieltipps: Black Road, Sunny Day, Fear

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