„All Bright Electric“ von Feeder ist Alternativrock ohne Hü und Hott

Rege sind sie ja schon, Feeder. Das muss man ausdrücklich festhalten. Schließlich hat die Band aus dem walisischen Newport Anfang Oktober 2016 ihr neuntes Studioalbum veröffentlicht. „All Bright Electric“ heißt das Album, welches Grant Nicholas und Taka Hirose, die sich vom Drummer Karl Brazil unterstützen lassen, vorab schon mit den beiden Titeln „Universe of Life“ und „Eskimo“ ankündigten. Tja, und genau dies sind auch die beiden ersten Songs der Scheibe, die damit wuchtig und gitarrendurchtränkt losgeht. Alternativer Poprock, schnörkellos und ohne viel Hü und Hott versammelt sich auf der Platte.

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Na ja, nicht immer wuchtig und gitarrendurchtränkt. Haben sich doch mit Titeln wie „Infrared Ultraviolet“, „Oh Mary“ und „Angels & Lullabys“ balledeske Songs eingeschlichen. Anders als ihre rockige Songkollegen können die reduzierten Titel weit weniger überzeugen. So zum Beispiel klingt „Oh Mary“ doch eher nach mangelnder Inspiration denn nach schönem Langsamen. Auch „Angels & Lullabys“ klingt leicht spannungsarm – das kann man hören, muss man aber nicht. Anders dagegen „Another Day on Earth“, dessen sanfte Pianopassagen sich mit gemäßigtem Indierock samt knurriger Gitarre abwechseln, das sich dem Hörer so durch Dynamik schmackhaft macht.

Ein bisschen Rock’n’Roll-Spaß

„The Impossible“ konfrontiert einen mit Britpoprockelementen klassischer Art – eine recht gelungene Mixtur von kantig Rockigem mit melodisch Poppigem einschließlich akustischem Mittelteil. Das folgene „Divide the Minority“ überrascht mit unkonventionellem Beginn sowie Bombstattitüde, erinnert allerdings an Songstrukturen, wie sie bereits der Opener offenbarte. Doch egal – spannend und gut gemacht ist das Lied in jedem Falle, irgendwie sogar albumhöhepunktverdächtig. Ein bisschen Rock’n’Roll-Spaß gibt es auf „Paperweight“, das sich durch einen Hauch Beatles, allerdings mit verzerrten Gitarren, vom Rest klar abhebt. Und auch fröhliches Geklatsche klingt dann nicht unangenehm.

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Mit „All Bright Electric“ veröffentlichen Feeder sicherlich nicht der Weisheit letzten Schluss, doch kann man keineswegs immer nachvollziehen, warum viele Kritiker der Truppe mangelnde Innovation und ein „Schuster bleib‘ bei deinen Leisten“ vorwerfen. Feeder machen halt das gut, was sie gut können – und das seit einem knappen Vierteljahrhundert: Alternativerock melodischer Art in seinen diversen Schattierungen. Wie sagt es Nicholas treffend? „Das Album sollte wirklich das Herz und die Seele Feeders einfangen“. Hat es irgendwie. Schön ist es doch, wenn man feststellt, dass man die Platte auch später immer mal wieder gerne ins CD-Laufwerk schiebt. (Foto: Pressefoto)

„All Bright Electric“ von Feeder hat elf Songs und eine Laufzeit von 41:53 Minuten. Das Album ist erschienen auf dem Label Cooking Vinyl.

Anspieltipps: Universe of Life, Paperweight; Divide the Minority

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