Tanzwut - Die Tanzwut kehrt zurück

„Die Tanzwut kehrt zurück“ – zwischen Mittelalter, NDH, Tango und Binsenweisheiten

Wenn Sackpfeifen ertönen, gemeinsam mit Gitarrenriffs Liedern den Prägestempel aufdrücken, dann ist Mittelalterrock angesagt. So wie bei Tanzwut aus Berlin. Die Band aus der Bundeshauptstadt lässt diese musikalische Kombination von sechs Saiten und dem durch einen Luftsack betriebenen Holzblasinstrument auch auf ihrem Album „Die Tanzwut kehrt zurück“ freien und schwungvollen Lauf.

Warum die Tanzwut allerdings zurück ist, weiß man nicht genau – weg war sie ja nicht. Denn das Vorgängeralbum „Seemannsgarn“ ist erst zwei Jahre vor „Die Tanzwut kehrt zurück“ erschienen. Aber egal, sind Namen denn nicht eh nur Schall und Rauch? Viel wichtiger ist doch das, was zu hören ist. Da bieten Tanzwut ein feines Paket zwischen Neuer Deutscher Härte (NDH) und Mittelalterklängen. Und gar darüber hinaus: In „Die Geister, die wir riefen“ bringen Tanzwut Akkordeonklänge und Violine ins Spiel und huldigen dem Tango. Ungewohnt, aber sehr gut.

Neue Deutsche Härte quasi in Reinkultur

Wer damit nicht ganz so viel anfangen kann, der kommt womöglich mit „Johann“ sehr viel besser klar: In dem Song über Johann Baptist Reichhart, ein bayrischer Scharfrichter, der von 1924 bis 1946 in der Weimarer Republik, während des Naziregimes bis hin zur Phase amerikanischer Militärregierung über 3.000 Menschen zu Tode brachte, gibt es Neue Deutsche Härte quasi in Reinkultur. Hier wie auch in anderen Titeln erinnert der explizite und präzise Sprechgesang sehr an die lindemannsche Interpretation rammsteinscher Liedinhalte.

TanzwutAuch mit Unruhestiftern für den Moshpit gehen Tanzwut ins Rennen: „Berlin“, die Hymne auf ihre Heimatstadt, in der sie ihrer Hassliebe auf die Hauptstadt Ausdruck verleihen, ist ein solcher. Riffgetriebener Volldampfrock, die Sackpfeifen, welche die Melodielinie vorgeben, dazu schwungvolles Schlagzeugspiel – so kommt ordentlich Rambazamba in ein Tanzwut-Konzert. Ach, und noch so einige andere Songs, ob der Opener und titelgebende „Die Tanzwut kehrt zurück“ oder der Rauswerfer „Virus“ atmen sehr viel NDH-Luft.

Von Augen zu bis hin zu viel Feinem

Textlich beschwört Sänger Teufel böse Triebe, böse Dinge, besingt Kumpaneien und Verbrüderungen, widmet sich dem Tun und Lassen des Ichs und schenkt auch sehr Aktuellem sein Wort: was doch so ein kleiner „Virus“ mit uns allen macht! Was die lyrischen Feinheiten betrifft, da muss man allerdings ab und an beide Augen zudrücken. Textstellen wie „alte Liebe rostet nicht“, „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“, „das Herz am rechten Fleck“ oder etwas wie „Komm brechen wir die Regeln, zum Brechen sind sie da“ sind schon ziemlich profaner Natur. Schön wäre es, wenn auf solche Binsenweisheiten verzichtet würde. Musikalisch nämlich ist Tanzwut bei weitem nicht so profan, da ist viel Feines im Spiel. (Foto: Pressefoto)

„Die Tanzwut kehrt zurück“ von Tanzwut hat mit zwölf Songs eine Laufzeit von 48:45 Minuten. Erschienen ist das Album auf dem Label Nocut Entertainment und wird von SPV vertrieben.

Anspieltipps: Feine Menschen, Die Geister, die wir riefen, Schwarze Löcher

tanzwut.com

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