Cover von Sea Fever "Folding Lines"

Sea Fever, „Folding Lines“ und die musikalische Historie Manchesters

Und wieder eine neue Supergroup? Oder doch eher ein musikalisches Kollektiv? Sea Fever aus Manchester kann man so oder so bezeichnen – je nach Gusto. Das Label des Quintetts greift allerdings lieber zum Begriff des Kollektivs, um das Treiben der Musiker einzuordnen. Mischen bei Sea Fever doch Phil Cunningham und Tom Chapman von New Order mit. Iwan Gronow, der bei Haven und mit Johnny Marr spielte, und Beth Cassidy, einst bei Section 25, sind ebenfalls an Bord. Der fünfte im Bunde ist Elliot Barlow am Schlagzeug.

Wenn man sich die Historie der Musiker betrachtet, Schlagworte wie New Wave, Post Punk, Indiepop, Madchester oder Factory Records im Kopf hat, dann wundert das musikalische Ergebnis der Zusammenarbeit der Fünf kaum. Auf dem Debüt von Sea Fever – „Folding Lines“ heißt das Album – ist nämlich ganz schön viel von all den Schlagworten zu hören. Irgendwie tauchen alle vorgenannten Genres auf, gleich schon im Opener „Crossed Wires“ hört man gitarren- und synthiegetriebenen Midtempodanceindiepoprock. Da klingt der von New Order bekannte und prägnante Bass Chapmans durch, der Song wird darüber hinaus von einem Hauch Manchester Raves umwabert.

Mehr musikalische Schärfe

Sea Fever, Bandfoto

Deutlich keyboardlastiger, durch Streicherunterlegung auf sanfte Melodielinien gebügelt, ist „Under Duress“. Da klingt schön, hat durchaus Ohrwurmcharakter – man überlegt, ob das jetzt gekonnt-einschmeichelnd oder doch ein bisschen zu seicht ist. „Afterthought“ kann einen Ohrwurmcharakter zwar ebenfalls nicht verleugnen, hat aber wegen höherem Gitarrenanteil und fieser klingendem Keyboard mehr musikalische Schärfe. Wem „Under Duress“ wegen der Streicher gefallen hat, der sollte an „Satellite“ noch mehr Freude finden.

Zuviel des Seichten? Dann Ohren auf, wenn „Le Coup“ ertönt: Da ist fetter Beat, Madchesterfeeling, Synthieschnarren und Gitarrenschwere. Da ist die Stimme von Cassidy, deren juveniler Gesang einen ausgezeichneten Kontrapunkt setzt. Und wer glaubt, dass bei Musikern aus dem Hause New Order doch mehr Synthie-New-Wave-Dancefloor-Kracher kommen müssen, der wird spätestens von „De Facto“ nicht nur nicht enttäuscht, sondern sehr begeistert sein. Sea Fever packen auf „Folding Lines“ all jenes aus, was die musikalische Historie Manchesters zu bieten hat. Manchmal suboptimal, meist aber sehr angenehm! (Foto: Anthony Harrison)

„Folding Lines“ von Sea Fever hat mit zehn Songs eine Laufzeit von 49:42 Minuten. Das Album ist erschienen auf dem Label Sea Fever und im Vertrieb von Kartel Music Group.

Anspieltipps: Crossed Wires, Afterthougt, Folding Lines, Le Coup

seafeverband.com

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