Cover von "Ghost on Tape" der Blood Red Shoes

Blood Red Shoes, „Ghosts on Tape“ und düstere Gedanken

Mit dem neuen Album der Blood Red Shoes kommen Mord und Totschlag ins traute Heim. Nein, nicht musikalisch, denn da serviert uns das Duo auf „Ghosts on Tape“ keinen wüsten Metal, sondern im weitesten Sinne das, was Laura-Mary Carter und Steven Ansell schon seit langem servieren: Alternativerock mit Elektrobegleitung, etwas Indierock mit Anleihen aus Grunge und Garage Rock. Textlich allerdings, da wird es auf dem Album kriminell – die Songs „erforschen die dunkle Psyche derer, die an der Spitze des Außenseitertums stehen: Serienmörder“.

Wenn man Abgründe vor Augen hat, wie sie Filmemacher wie David Lynch oder Quentin Tarantino so gerne cineastisch darstellen, dann ist der Opener „Comply“ die passende Musik dazu. Düstere Klavieranschläge und ein sich in vermeintlichen Irrwitz hineinsteigernder und verzerrter Gesang schaffen eine morbide Stimmung. Welche dann allerdings durch das recht poppig inszenierte „Morbid Fascination“ nicht mehr ganz so morbide ist. Der Song könnte durchaus eher als Tanzflächenfüller einer Indiedisco fungieren.

Krawall mit abruptem Ende

Blood Red Shoes mit BrilleSo richtig Krawall macht „Give up“. Feurige Drums, Gitarren und Synthiesounds vereinen sich zu einer wuchtigen Nummer, die gar Breakbeatambitionen aufweist. Allerdings nur bis zur Hälfte! Dann nämlich kommt man sich mit abruptem Stop vor, als wäre dem Rennwagen der Sprit ausgegangen – schöne Keyboardläufe begleiten uns ins Ziel. Warum? Man weiß es nicht. Man ist sich aber sicher, dass so eine 180-Grad-Kehre im Song eher sehr unvorteilhaft ist.

Ein paar schöne Keyboardmelodien hat „I am not you“ auch. Die sind allerdings in ein derbes Korsett deftigen Rocks mit Ecken und Kanten hineingestrickt. Ein niedliches Ende gibt es da nicht. „Dig a hole“ hat in Ansätzen anscheinend ahnliches vor wie „Morbid Fascination“, nämlich Tanzbarkeit zu vermitteln. Wie sagt Ansell? „Das ist unsere Welt, das sind unsere dunkelsten Gedanken und Gefühle – unsere Geister – die wir auf Band festgehalten haben.“ Blood Red Shoes machen uns durchaus mit – musikalisch gesehen – spannenden Gedanken und Gefühlen bekannt. An vielen wollen wir teilhaben, an einigen verlieren wir aber alsbald wieder das Interesse. (Foto: Presse)

„Ghosts on Tape“ von Blood Red Shoes hat mit 13 Titeln – drei davon lediglich Zwischenspiele von 37 Sekunden – eine Laufzeit von 38:32 Minuten. Das Album ist erschienen auf dem Label Velveteen Records und im Vertrieb von Rough Trade.

Anspieltipps: Sucker, I am not you, Dig a hole

www.bloodredshoes.co.uk

www.facebook.com/bloodredshoes

Blood Red Shoes live in Deutschland

Das Songmaterial vom Album „Ghosts on Tape“ sowie ältere Titel gibt es von Blood Red Shoes auch live in Deutschland zu hören: vier Konzerte in der Republik sind angesagt. Einige der ursprünglich für das Frühjahr des Jahres 2022 vorgesehenen Auftritte wurden in den Sommer und kleinere Auftrittsorte verschoben.

25.07. – Köln, Luxor (verschoben vom 09.02. aus dem Gloria-Theater)
26.07. – Hamburg, Fabrik (verschoben vom 10.02.)
27.07. – Berlin, Hole 44 (verschoben vom 11.02. aus dem Metropol)
28.07. – München, Strom (verschoben vom 12.02. aus dem Technikum)

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