Gemini Syndromes „Memento Mori“: sehr gut bis Durchschnittsware

Viele Bands hadern gerne wegen eines Vergleiches ihrer Musik mit der Musik weit, weit bekannterer Kollegen. Das, was sie komponieren, auf Platte pressen oder live spielen, möchten sie nicht gerne in eine Schublade mit dem geworfen wissen, was ihre Kollegen so produzieren. Anderen Bands macht so etwas nichts aus, sie mäkeln nicht herum, falls Fans oder Kritiker erwähnen, dass sie sich so wie XYZ oder wie UVW anhören. Wer auch kein Problem hat, sich mit sehr wohl bekannten Bands vergleichen zu lassen, sind Gemini Syndrome aus Los Angeles. Ja, die Truppe – oder deren Management und Plattenlabel – geht sogar einen Schritt weiter: sie pappt auf ihr neues Album „Memento Mori“ einen knallroten Aufkleber, mit dem sie ihren Sound den deutschen Fans von Linkin Park, Staind und Papa Roach schmackhaft macht.

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Sicherlich nicht verkehrt für eine Band, deren Bekanntheitsgrad in Deutschland doch eher sehr überschaubar ist. So bringt man seine zweite Platte eben einfach mal Leuten nahe, die nicht die Katze im Sack kaufen möchten. Und richtig liegen der blonde Sänger Aaron Nordstrom, Bassist Brian Steele Medina sowie Schlagzeuger Alessandro Paveri, zu denen sich im Juni die beiden Livegitarristen Daniel Sahagún und Charles Lee Salvaggio als feste Mitglieder gesellten, mit ihrer Einordnung auch. Die Genres Nu Metal, Alternative Metal oder Modern Rock, welche  die drei genannten Bands beackern, beackern Gemini Syndrome auch. Wollte man weitere Pendants anführen, könnte man And then she came, FFDP oder Creed hinzufügen.

Unsterblichkeit klappt nicht wirklich

„Bedenke, dass wir sterblich sind“, so lautet die Übersetzung des Albumtitels „Memento Mori“. Da stimmt, unsterblich machen sich die fünf Musiker mit ihrem Nachfolger zum Debütalbum „Lux“ aus dem Jahre 2013 nicht. Ist ja auch verdammt schwierig, schon mit deutlich mehr als gutem Können verbunden, aus den vielen anderen Bands so herauszustechen, dass Vergleiche schwierig bis unmöglich sind. O.k. – Unsterblichkeit mit einem außergewöhnlichen Alleinstellungsmerkmal klappt für Gemini Syndome mit „Memento Mori“ also nicht wirklich. Doch das, was Nordstrom und seine vier Kollegen abliefern, hat kaum weniger Klasse als diese der zum Vergleich herangezogenen Bands; bis auf den letzten Kick, der fehlt.

Das Quintett macht’s heftig und schwermetallisch, fängt poprockige Elemente gekonnt ein, schwenkt mit verschiedenen Songs auf verschiedene Tempospuren ein, adressiert seine Musik an knallharte Metaller ebenso wie an Musikhörer gemäßigten Geschmacks. Der Opener „Anonymous“, “Eternity” oder „Alive Inside“ sind von deftigem Kaliber, machen auch vor Growling und Elementen des Progmetals nicht halt. Wer es gerne etwas abgespeckter hat, der orientieren sich bitte an „Gravedigger“, „Sorry not sorry“ und „Inception“. Die Wucht fehlt auch hier nicht, allerdings schieben sich deutlich melodische Bestandteile in den Vordergrund. Die Ballade „Say Goodnight“ zündet allerdings nicht so richtig und das darauffolgende “Awaken” hinkt dem Rest hinterher. Wer Nickelbacks „What are you waiting for“ goutiert, wird jedoch nicht enttäuscht.  So wie die Lieder von Gemini Syndrome ihren Weg durch die Genres finden, so findet das gesamte Album „Memento Mori“ seinen Weg zwischen „sehr gut gelungen“ und Durchschnittsware. (Foto: Pressefoto)

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Das Album „Memento Mori“ von Gemini Syndrome, erschienen am 19. August 2016, hat 15 Titel (einschließlich dreier etwa anderthalbminütiger Zwischenspiele) und eine Laufzeit von 50:40 Minuten. Das Album ist erschienen auf dem Label Another Century.

Anspieltipps: Anonymous, Alive Inside, Inception

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