Deep Purple - Turning to Crime, Cover

Deep Purple und „Turning to Crime“ – Lieblingsmusiker machen Lieblingsmusik

Wenn man Musiker nach deren Vorbildern oder Lieblingssongs fragt, dann taucht ziemlich oft der Name Deep Purple, die Songs „Smoke on the Water“, „Child in Time“, „Fireball“ oder „Highway Star“ auf. Was nun aber, wenn man jene fragt, welche als Band mit ihren Songs Vorbilder für so viele andere sind? Erwartet man da ernsthaft, dass die Mitglieder von Deep Purple ihre eigenen Kompositionen als elementare Einflüsse nennen? Wohl kaum.

Doch auch Ian Gillan, Ian Paice, Roger Glover, Don Airey und Steve Morse haben selbstverständlich Lieblingssongs. Und huldigen Musikern, deren Lieder sie beeindruckt oder beeinflusst haben. Genau jenen Musikern und deren Songs haben Deep Purple anno 2021 ein Denkmal gesetzt: indem sie mit „Turning to Crime“ ein Album veröffentlichten, das ausschließlich Coverversionen enthält.

Neue Musik? Ist scheiße!

Beschränkt haben sich die Musiker in ihrer Auswahl auf drei Dekaden von Mitte der 40er bis Mitte der 70er Jahre. Der älteste Song ist „Let The Good Times Roll“ von Louis Jordan and his Tympany Five von 1946, der jüngste „Dixie Chicken“ von Little Feat aus dem Jahr 1973. Also aus der Zeit, in der die Bandmitglieder selbst Musik entdeckten, mit ihr groß wurden, eigene Stücke komponierten und mit diesen zu Rocksuperstars wurden.

Deep Purple, BandfotoMaterial jüngeren Datums taucht nicht auf „Turning to Crime“ auf. Warum? Weil die alten Herren der Rockmusik dafür herzlich wenig übrig haben: „Es gab den Vorschlag, dass wir auch Lieder der letzten 15 und 20 Jahre nehmen könnten. Aber es ist schwer, da irgendwas zu finden, was uns gefallen hat“, verrät Glover im Interview mit dpa. „Ich will nicht der alte Typ sein, der sich über neue Musik beschwert, aber sie ist scheiße.“

Hoppla, ein Gimmick

Wie es sich für versierte Musiker gehört, so gönnen sich Deep Purple nicht einfach das möglichst originalgetreue Nachspielen der Titel Ton für Ton. Dafür gibt es ja ausreichend Coverbands oder Tributebands. Das Quintett bastelt am Tempo, an Interpretation und der Vielfalt der Möglichkeiten, alten Stücken neues Leben einzuhauchen. Und macht auch vor Gimmicks nicht halt: Airey streut auf „Rockin Pneumonia and the Boogie Woogie Flu“ ganz keck mal per Tastenanschlägen die Töne des wohl berühmtesten Gitarrenriffs der Welt ein: ab Minute 1:27 erklingt kurz „Smoke on the Water“.

Die Ikonen des Hardrocks zeigen mit Boogie Woogie, Swing, Bluesrock, Psychedelic Rock und anderen Genres außerhalb der ihnen zugesprochenen musikalischen Welt ganz viel Ideenreichtum und Finesse. Schön, mit „Turning to Crime“ Deep Purple mal auf andere Art zu entdecken. Und von einem musikalischen Verbrechen kann hier überhaupt keine Rede sein! (Foto: Ben Wolf)

„Turning to Crime“ von Deep Purple hat mit zwölf Songs eine Laufzeit von 50:07 Minuten. Das Album ist veröffentlicht auf Ear Music und wird vertrieben von Edel Germany.

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01. 7 And 7 Is (Love, 1966)
02. Rockin‘ Pneumonia And The Boogie Woogie Flu (Huey Smith, 1957)
03. Oh Well (Fleetwood Mac, 1969)
04. Jenny Take A Ride! (Mitch Ryder, 1965)
05. Watching The River Flow (Bob Dylan, 1971)
06. Let The Good Times Roll (Louis Jordan and his Tympany Five, 1946)
07. Dixie Chicken (Little Feat, 1973)
08. Shapes Of Things (Yarbirds, 1966)
09. The Battle Of New Orleans (Jimmy Driftwood, 1959)
10. Lucifer (Bob Seger, 1970)
11. White Room (Cream, 1968)
12. Caught In The Act (Medley)

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