Clutch, Cover von Sunrise on Slaughter Beach

Clutchs „Sunrise on Slaughter Beach“ ist erdig und seltsam

Wenn man vom Cover der neuen Scheibe von Clutch auf die Musik schließen wollte, dann müssten die Songs der Rocker aus Maryland ziemlich abgespaced sein. Denn die optische Gestaltung von „Sunrise on Slaughter Beach“ mutet sehr nach Fantasy an, zeigt seltsamen Gestalten anderer Welten, die auf Pfeilschwanzkrebsen oder Trilobiten durch die Luft reisen. Doch musikalisch gibt es nichts von all dem abgedrehten Zeugs.

Die Songs von Clutch sind mal wieder extrem erdig – so wie man es seit langem von Sänger Neil Fallon, Gitarrist Tim Sult, Bassist Dan Maines und Schlagzeuger Jean-Paul Gaster gewohnt ist. Die Band gönnt sich und den Hörern mal wieder raubeinigen Rock’n’Roll, Hardrock und Stonerrock – immer mit Bluesanleihen durchsetzt. Obwohl – ab und an überkommt es die Band und sie streut seltsam Originelles ein. Zum Beispiel in Form schräger Töne, spontanen Changierens von Tempo und Stil oder geisterhaft wirkenden weiblichen Backgroundgesangs als Kontrapunkt zu Fallons knackiger Stimme.

Hookline, die sich im Ohr festbeißt

Clutch in einem FeldDer Einstig in „Sunrise on Slaughter Beach“ ist mit dem vor einiger Zeit veröffentlichten „Red Alert (Boss Metal Zone“ alles andere als behäbig – der Song hat mächtig Pfeffer auch für Clutch-Verhältnisse. Weniger Tempo, dafür keineswegs weniger Wucht bietet „Mountain of Bone“ auf. Das ist ein echt schweres Ding mit einer Hookline, die sich im Ohr festbeißt. Mit einer Mischung aus Heavy Blues und Southern-Rock-Attitüde geht anschließend „Nosferatu Madre“ ins Rennen.

„Skeletons on Mars“ bietet reichlich des schon erwähnten selsamen Originellen: In deftigen Bluesrock mischt sich das ziemlich exotische Instrument Theremin neben leicht atonal wirkenden Gitarrentönen. Auch ein für Rocker eher ungewohntes Vibraphon findet Verwendung – es läutet „Three golden Horns“ ein. Leicht schräge und schwurbelige Gitarrenriffs entfalten hier obendrein ihre Wirkung. Und immer wieder variieren Clutch das Tempo, der Song verändert zwischenzeitlich seine Fahrtrichtung.

„Unterschiedlichste Platte seit Langem“

Bandfoto von Clutch im HolzhausAllerdings wirken die häufigen Wendungen und Drehungen in einigen Songs des Albums manchmal etwas übermotiviert; fast so, als hätten Clutch entschieden: „Jetzt müssen mir aber mal wieder was Verrücktes machen.“ Das ist nicht immer nachvollziebar. Doch wenn Songs in einer seltsamen Zeit entstehen, in einer Pandemie, dann kommt anscheinend auch mal was Seltsames dabei heraus. Sieht auch Gaster so: „Die Platte, die am Ende dabei herauskam, ist in gewisser Weise die unterschiedlichste Platte, die wir seit Langem gemacht haben.“ Im Großen und Ganzen ist „Sunrise on Slaughter Beach“ eine sehr ordentliche Scheibe im Veröffentlichungsreigen von Clutch. (Fotos: Dan Winter)

„Sunrise on Slaughter Beach“ von Clutch hat mit neun Songs eine Laufzeit von knappen 33:19 Minuten. Das Album ist erschienen auf dem Label Weathermaker Records und im Vertrieb von Rough Trade.

Anspieltipps: Mountain of Bone, Nosferatu Madre, Mercy Brown, Skeletons on Mars

www.pro-rock.com

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