Cover des Albums "Anger is eternal" von Anger MGMT.

Anger MGMT. und die gute Wut auf „Anger is eternal“

Zorn und Wut müssen nicht grundsätzlich schlecht sein – zumindest nicht dann, wenn man mit den heftigen Emotionen richtig umzugehen weiß. Dann kann aus destruktiver Wut eine konstruktive Wut werden und – sofern in richtige Bahnen gelenkt – hilfreich sein. Anger MGMT. machen vor, wie das geht: Auf ihrem neuen Album „Anger is eternal“ manifestieren sich Wut und Zorn in musikalischer Kraft und in ausgezeichneten Songs.

Dass es dem Trio aus dem schweizerischen Winterthur keinesfalls um gefällige Rockmusik geht, macht der Opener sofort klar: „I thought I’d started to make Progress again“ ist sehr böse. Sänger und Gitarrist Nik Petronijevic hat Zorn in seiner Stimme, der kaum weniger wütende Postpunk gebärdet sich wie Noiserock. Wie schafft es Petronijevic bloß, gleichzeitig zornig und verzweifelt zu klingen?

Ein wirklich starkes Stück

Die Musiker der Band Anger MGMT. stehen nachts auf einer Brücke

Die Aggression des ersten Titels greifen die weiteren Songs zwar nicht auf, doch etwas Feines für Feingeister der Popmusik lassen Petronijevic, Bassist Simon Hirzel und Drummer Dominick Jucker nicht aufkommen. Zum Postpunk gesellen sich Anleihen aus dem Punk, aus Grunge und ein wenig Garagerock. „Under my Skin“ schleppt sich mit flirrender Gitarre und wummernden Drums wie unaufhaltsam vorwärts.

Noch näher dran am Grunge bewegt sich „Trace the Cracks“, in welchem sich Petronijevic textlich an gesellschaftlichen Brüchen abarbeitet. Unterstützung bekommen Anger MGMT. von Thorsten Polomski von den deutschen Hardcorepunks Bubonix auf „Cut the Rot“. In bester Bad-Religion-Manier der kurzen Songs toben sich die vier in den 62 Sekunden sehr lautstark und sehr hardcorelike aus. Ein wirklich starkes Stück aber auch, die Herren!

Wie der zornige Bruder

Weniger lautstark denn vielmehr einfach stark ist „Anything Ahead“ mit seinem sehr, sehr trüben Blick in eine trübe Zukunft. Hier meint der geneigte Hörer sogar Waverock zu erkennen. Kann es wohl sein, dass Anger MGMT. beim Komponieren von „Echoes“ womöglich The Chameleons vor Augen hatten? Klingt der Titel doch ein wenig nach dem zornigen Bruder der alten Ikonen des Postpunks aus Manchester.

Fast scheint es, als wenn Anger MGMT. ihre Songs auf „Anger is eternal“ einer Entwicklung unterziehen, einer Entwicklung von unbändiger Wut hin zur Mäßigung. Klingt das Trio auf „Buzz“ als letztem Titel des Albums doch deutlich entspannter. Und hört sich der Text des Songs nicht etwas versöhnlicher an? Zumindest kann man dies Zeilen wie „I drowned in the tides, I found a way to breathe, I feel better better better better“ unterstellen. Und das Fazit? Ein ganz starkes Album! (Fotos: Dave Honegger)

„Anger is eternal“ von Anger MGMT. hat mit elf Songs eine Laufzeit von 34:02 Minuten. Das Album erschienen auf dem Label Noisolution und im Vertrieb von Edel.

Anspieltipps: Under my Skin, In this Body, Anything ahead, Echoes

angermgmt.ch

www.facebook.com/angermgmtdot

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