Cover des Albums "Wilderness of Mirrors" von Myrath

Myrath und „Wilderness of Mirrors“ – so geht Oriental-Metal!

Hoppla – bin ich jetzt beim König der Löwen gelandet? So könnte der erste Gedanke sein, wenn das Intro von „The Funeral“ ertönt. Der Opener des neuen Albums von Myrath – „Wilderness of Mirrors“ – hat zu Beginn den Status eines Musicals inne Doch dann, nach gut einer Minute, lassen Gitarrenriffs, fette Bassläufe und kraftvolle Drums keinen Zweifel daran, dass man es mit Heavy Rock und Heavy Metal zu tun hat. Mit Heavy Rock und Heavy Metal allerdings, der sich sehr opulent gestaltet und orientalische Klanglandschaften durchschreitet.

Noch mehr als in den vorherigen Alben lassen Myrath einige ihrer Wurzeln des Progressive Metals außen vor und widmen sich deutlicher dem symphonischen Charakter ihres Oriental Metals, ihres, wie es Sänger Zaher Zorgati einst sagte, Blazing Desert Metals. Sehr beeindruckend gelingt ihnen dies zum Beispiel im Titel „Until the End“. In diesem sichern sich Myrath die Sangeskunst von Elize Ryd, Sängerin der schwedischen Band Amaranthe. Die Sopranistin verleiht dem Song eine besondere Atmosphäre. Das Gesangsduett von Ryd und Zorgati ist ein echtes Highlight. Und zum Ende hin wird’s dann sogar progressiv-wuchtig.

Wie eine Art Mini-Rockoper

Wie eng die Verquickung zwischen Metal und orientalisch-klassischem Werk werden kann, präsentieren Myrath mit „Les Enfants du Soleil“. Gitarre, Bass und Schlagzeug arbeiten auf einem opulenten Streicherbett, ein großer Soloteil ist gar den Streichern – durch Flügelklänge begleitet – gewidmet. Der Schülerchor des Vereins Glanum Rock im Städtchen Saint-Remy-de-Provence am Fuße der Alpilles trägt erheblich dazu bei, dass dem Song ein großer symphonischer Charakter innewohnt. Die hohen konzertanten Anteile, das umfangreiche Intro und Outro sowie die Dynamik im Song lassen aus „Les Enfants du Soleil“ eine Art Mini-Rockoper werden.

Die Musiker der tunesischen Metalband Myrath

„Still the Dawn will come“ vereint ebenfalls auf gekonnte Art rifflastigen Modern Metal mit orientalischen Elementen und symphonischen Arrangements. Nicht so ganz gelungen kommt „The Clown“ daher: Sehr verspielt und nahe dran an AOR offenbart der Song eher poppigen Charakter – das gelungene Gitarrenspiel von Malek Ben Arbia bewahrt den Clown dankenswerterweise vor allzu großer Beliebigkeit. „Soul of my Soul“ mit seinen balldesken Elementen kann da schon deutlich mehr punkten: ein durchaus mitreißender Moment voller Emotion.

Sehr gelungene Symbiose

Mit großem Chor und opulenten Streicherelementen verbreitet das abwechslungsreiche und sehr symphonische „Edge of the Night“ große Kraft. Dieser orientalische Metal kann ausgesprochen viel. Ein dynamisches Erlebnis erwartet den Hörer mit „Echoes of the Fallen“. Die Symbiose von Heavy Metal und großen orientalischen Musikmomenten ist Myrath extrem gut gelungen. Noch einen drauf setzen Zorgati, Ben Arabia und ihre Kollegen Kevin Codfert an den Keyboards, Anis Jouini am Bass und Drummer Morgan Berthet mit „Through the Season“: Oboe trifft auf schwere Gitarre. Das ist wahrlich ein würdiger Abschluss eines ausgezeichneten Albums mit exzellentem Oriental Metal.

Wie die neuen Songs live klingen, davon kann sich der Myrath-Fan im Frühjahr und Herbst 2026 überzeugen. Dann nämlich ist die Band auf Tour, zu der sieben Konzerte in Deutschland gehören (Foto: Perrine Perez Fuentes)

„Wilderness of Mirrors“ von Myrath hat mit zehn Songs eine Spielzeit von 46:57 Minuten. Das Album erscheint auf dem Label Earmusic und im Vertrieb von Edel.

Anspieltipps: Until the End, Soul of my Soul, Edge of the Night, Through the Seasons

Myrath live 2026 in Deutschland

07.04 – Wiesbaden, Kesselhaus
08.04 – Berlin, Frannz Club
20.09. – München, Backstage Halle
22.09. – Leipzig,- Hellraiser
23.09. – Hannover, Musikzentrum
01.10. – Hamburg, Bahnhof Pauli
02.10. – Köln, Gebäude 9

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